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Hochleistungsmixer – Lohnt eine Anschaffung?

by Stefan Kutter on 4. Februar 2014

Eine Frage bekomme ich immer wieder gestellt: brauche ich wirklich so einen großen Standmixer? In Anbetracht der schieren Wucht, mit der Hochleistungsmixer frisches Obst und Gemüse förmlich liquidieren – und sicherlich auch hinsichtlich des Anschaffungspreises – ist das eine durchaus berechtigte Frage, die ich hier einmal näher beleuchten möchte.
Um es vorweg zu nehmen: ich glaube, ein guter Mixer ist eine absolut sinnvolle, oft sogar notwendige Anschaffung bei der Umstellung auf Vitalkost und zur Gewährleistung eines hohen Rohkostanteils in der Ernährung.

Mixer als Hilfe zur Ernährungsumstellung

Ich vertrete grundsätzlich eine möglichst günstige und natürliche Ernährungsweise. Ein Hochleistungsmixer passt schon intuitiv nicht so recht zum Bild der Naturkost – aber gerade bei der Umstellung auf Rohkost mit der Gewöhnung des Körpers an frisches Obst und Gemüse brauchen wir eine wirksame Unterstützung der Verdauungskapazität. Ich gehe auf die Thematik ausführlich im Vitalkost-Programm ein, hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

Es gibt zwei große Hilfestellungen in der rohköstlichen Ernährungsweise, die wir starken Küchenmixern verdanken:

1. Aufbrechen der Pflanzenzellen zur Freisetzung der Vitalstoffe
2. Lösung der Pektine aus dem Faserstoffverbund der pflanzlichen Zellwände

Diese Punkte lassen sich anhand grüner Smoothies – der Vitalkostkreation von Viktoria Boutenko- sehr gut nachvollziehen:
Grüne Smoothies sind so erfolgreich, weil sie den Vitalstoffreichtum grünen Blattgemüses mit dem Energiegehalt und angenehmen Geschmack reifen Obstes kombinieren.

Aufnahme großer Blattgrünmengen möglich

Entschlackung  mit grünem Gemüse, Wildkräutern und RohkostDurch Smoothies können wir mit Leichtigkeit größere Obst- und Blattgrünmengen aufnehmen, die einzeln gegessen kaum verträglich wären:

Größere Mengen Obst sind nicht besonders verdauungs- und leberfreundlich, greifen die Zähne an und können unter anderem wegen des hohen Kohlenhydratgehaltes trotz der basischen Bilanz demineralisierend wirken.

Grünes Blattgemüse – insbesondere die gehaltvollen Varianten wie Petersilie, Grünkohl und Wildkräuter – sind in größeren Mengen schwer zu verdauen: wir kommen gar nicht an die Schätze im Inneren der Pflanzenzellen heran. Uns fehlen schlicht die Enzyme zum Verdauen der Zellwände. Alles unverdaute wird früher oder später von Bakterien zersetzt, was im schlimmsten Fall den Prozessen in einer Biogas-Anlage nahe kommen kann.

Smoothie ist nicht gleich Smoothie

grüne Smoothies und frische Saefte aus grünem Blattgemüse mit HochleistungsmixernEs kommt auf den Zerkleinerungsgrad an! Normale Küchenmixer in der verbreiteten 500 bis 900 Watt-Klasse – die üblicherweise zum Mixen von Fruchtshakes, Cocktails oder auch zum Crushen von Eis verwendet werden – sind für grüne Smoothies keine gute Wahl. Sie erzeugen zwar ein augenscheinlich homogenes grünes Getränk, aber schon bei näherer Betrachtung erkennt man oft noch kleine Blattstücke in der Mixtur. Unter dem Mikroskop zeigen sich auch in den homogenen Teilen viele intakte Pflanzenzellen. Diese Smoothies nutzen uns kaum mehr als hätten wir die Zutaten normal gekaut – oft sogar im Gegenteil: die flüssige Konsistenz verführt zum Verzehr großer Mengen, ohne jedoch die oben genannten Probleme gelöst zu haben. Das ist einer der Hauptgründe für Verdauungsprobleme wie Blähungen, Energielosigkeit und Belastungen von Leber etc.

Ein Hochgeschwindigkeitsmixer schafft hier Abhilfe: er zerkleinert nicht nur Blattgrün mundgerecht, sondern löst auch durch die hohen Druckunterschiede an den Klingen den festen Zellwandverbund aus Pektinen und Faserstoffen. Das geschieht bei geeigneter Klingen- und Becherform bei hohen Geschwindigkeiten – als Schallgrenze gelten  ca. 30.000 Umdrehungen pro Minute (gemessen im Leerlauf) bei Motorleistungen über 1KW, was sich durch eine deutlich cremige, gelartige Konsistenz der fertigen Smoothies – auch ohne Mikroskop –  erkennen lässt.

Diese Auflösung der Zellwände ist der Effekt, um den es prinzipiell auch beim Kochen geht: erst ab ca. 70 Grad Celsius werden die Faserverbünde instabil und lösen sich auf. Das ist der Grund, warum Gemüse beim Kochen und Backen weich wird. Auch hoher Druck, sowie starke Säuren unterstützen diesen Prozess.

Entwicklung moderner Ernährungsmethoden

Wir leben in einer relativ hektischen, von Zeit- und Leistungsdruck getriebenen Welt. Die Entwicklung billiger, industriell verarbeiteter Produkte und (zumindest aus Vitalitätsperspektive) tragischen Erfindungen wie Druckkochtöpfen und Mikrowellen sind vor diesem Hintergrund gut nachvollziehbar. Dass sich dennoch eine Trendwende zum langsamen Garen (Dämpfen & Dünsten), Fermentieren, Ankeimen, Mixen, Entsaften und natürlich auch zum bewusstem Kauen einfacher, roher Zutaten wieder durchsetzt, werte ich als klares Zeichen für den überlegenen Wert frischer und möglichst kühl verarbeiteter Nahrung.

Mit einem starken Küchenmixer können wir jetzt die Verträglichkeitsvorteile des Garens mit dem deutlichen Vitalstoffvorsprung der Rohkost genießen – und das mit minimalen Zubereitungszeiten …und es kommt noch besser:

Die frischen Pektine helfen bei der langsamen Aufnahme des Fruchtzuckers und nähren die Darmflora und Darmschleimhaut. So profitieren wir gleichmäßig von der Energie des Obstes ohne den „Zuckerschaukeleffekt“ zu riskieren. Wenn ausreichend „Grünzeug“ verwendet wird, (empfehlenswert sind 1:1 Gewichtanteile von Grünem Blattgemüse und Obst), dann wird aus dem grünen Smoothie ein echter slow carb – Drink.

Der neueste Trend – Vitalsuppen

Deftiges Gemüseragout: roh vegane VitalsuppenIch persönlich bin ein Fan der neuen grünen Vitalsuppen oder engl. „savory veggy stews“ (herzhafte Gemüseragouts). Das sind salzig-deftige Varianten der Smoothies: serviert als Suppe mit würzigem Gemüsetopping. Diese Variante hat noch mehr (Blatt)Gemüse im Vergleich zum Obstanteil und ist sehr befriedigend insbesondere am Abend.

Rezepte gibt es im Topform-Infoletter.

 

Welcher Standmixer ist empfehlenswert?

Die eigentliche Frage ist also weniger, ob überhaupt ein starker Mixer benötigt wird, sondern welches Gerät empfehlenswert ist. Die bekannteste Marke in der Rohkostszene ist der Vitamix. Das Bauprinzip des Klassikers Vitamix TNC 5200 ist schon seit Jahrzehnten nahezu unverändert und als ich mich auf die Suche nach einem eigenen Mixer gemacht habe, lag für mich erst einmal der Verdacht nahe, dass der Status als Kultmixer genutzt wird, um den Preis künstlich hochzuhalten: viel mehr als ein Elektromotor und Mixbecher ist da schließlich auch nicht verbaut und das sollten andere Hersteller auch günstiger hinbekommen – dachte ich… Tatsächlich zeigt der Vergleich, dass die leistungsmäßig interessanten Vitamix Alternativen von Bianco, Revoblend und Blendtec trotz geringerer Bekanntheit preislich in der gleichen Liga spielen.

Gibt es günstige Alternativen zum Vitamix Standmixer?

Da ich mich trotz der überzeugenden Leistung und langen Garantie nicht so recht mit dem Gedanken anfreunden konnte, 600€ für ein Küchengerät auszugeben, habe ich zunächst nach günstigeren Alternativen aus Fernost geschaut. Mit einem Geschäftspartner haben wir sogar asiatische Hersteller von Nachbauten bekannter Mixer ausfindig gemacht und kontaktiert. Die Produktmanager haben gar keinen Hehl daraus gemacht, dass sie zwar billiger liefern könnten, ihre Geräte aber bei weitem nicht an die Leistungsdaten heranreichen und langjährige Garantien wegen der hohen Beanspruchung nicht möglich seien.

Grund dafür sind die physikalischen Belastungen, die mit der Umdrehungszahl dramatisch steigen: Vibrationen, intensiviert durch verschiedenartiges Mixgut mit wechselnden Schwerpunkten und häufiger Gebrauch sind die Hauptprobleme. Konstruktion und Bau guter Geräte braucht Know how, Praxiserfahrung, äußerst hochwertige Materialien und genaue Verarbeitung. Umdrehungszahlen im Düsentriebwerk-Bereich sind das eine – eine weitere Herausforderung ist die Durchzugskraft. Damit die notwendigen Geschwindigkeiten auch in viskosen Medien wie Smoothies und Cremes gehalten werden können, sind Leistungen von deutlich mehr als einer Pferdestärke nötig, die wiederum hohe Anforderungen an die elektrischen Komponenten stellen, viel Wärme produzieren usw. Die letzte Herausforderung ist schließlich die Standfestigkeit der Mixerklingen, die sich an der Außenspitze mit mehreren hundert Kilometern pro Stunde durch das Mixgut schlagen.

Langer Fachsimpelei kurzer Sinn: Hochgeschwindigkeitsmixer bewegen sich – auch wenn sie einfach anmuten – an der Grenze dessen, was wir mit heutigen Technologien und Materialen zuverlässig und erschwinglich herstellen können.
Eine günstige Einstiegsalternative ist der Omniblend: er dreht unter Belastung nicht ganz so schnell wie der Vitamix, hat deutlich weichere Klingen und einen empfindlicheren Behälter, aber er wird gelegentlich für den halben Preis angeboten. Wenn man ihm mehr Zeit gibt und eher zarteres Blattgrün einsetzt, dann liefert er akzeptable Ergebnisse. Bianco ist ein kleiner deutscher Entwickler, dessen Geräte sich vor allem durch innovatives Design von der Konkurrenz absetzen sollen – wie gut die Geräte im Dauereinsatz sind, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.
Mein Resümee: trotz des engen und kantigen Mixbecher-Bodens, aus dem dickflüssige Rückstände nur mit einiger Fummelei gerettet werden können, ist der Vitamix technisch noch immer das Maß aller Dinge. Die Cremigkeit und Feinheit der Mixergebnisse ist immer wieder verblüffend.
Wenn Sie also die Umstellung auf Vitalkost und einen dauerhaft höheren Rohkostanteil ernsthaft in Betracht ziehen und auf Alltags- und Verdauungsfreundlichkeit Ihrer Zubereitungen Wert legen, dann ist ein guter Hochgeschwindigkeitsmixer eine lohnende Investition.

Falls Sie noch keinen Händler Ihres Vertrauens haben, schauen Sie doch mal im Shop des Vitalkost-Kapitelsponsors Oliver Bongert auf www.bester-mixer.de vorbei.  Die Kollegen bieten einen guten Service mit Telefonberatung und sind dennoch preisgünstiger als die meisten Versender.

Stefan KutterHochleistungsmixer – Lohnt eine Anschaffung?