zu wenig Magensäure?

by Stefan Kutter on 18. August 2013

Heute möchte ich ein wichtiges Thema herausstellen, das in der aktuellen Version des Vitalkost-Buches nicht direkt behandelt wird: das Problem zu geringer Magensäureproduktion.

Abhilfen gegen das Problem wie Atemübungen zur Entspannung, das Trinken mit einigem Abstand vor den Mahlzeiten auf bereits entleerten Magen und die Nutzung von Chili zur Anregung von Magensäure sind im Programm enthalten, aber das Thema verdient offenbar doch noch etwas mehr Aufmerksamkeit.

Bisher ging ich davon aus, dass die zunehmende Unverträglichkeit gekochter Mahlzeiten bei bzw. nach der Umstellung auf Vitalkost ein reiner Gewöhnungseffekt sei bzw. eine Reaktion des Körpers auf die thermisch veränderte Nahrung.

Selbst leichte Nahrung liegt wie ein Stein im Magen

Schwache Verdauung und Sodbrennen durch zu wenig Magensäure

Der sprichwörtliche Stein im Magen durch zu wenig Magensäure Foto: Sabine Weiße pixelio.de

Wirklich misstrauisch wurde ich allerdings im letzten Winter, als eine leichte Gemüsesuppe  mehrere Stunden zur Verdauung brauchte und sogar ein Völlegefühl verursacht hat.

Eine schlüssige Erklärung für dieses Phänomen ist ein allgemeiner Mangel an Magensäure, der offenbar durch die roh-vegane Ernährungsweise noch gefördert wird.

Stress und Übersäuerung bzw. ph-Balance-Probleme scheinen die Magensäureproduktion zu stören – auch wenn man das Gegenteil vermuten könnte (Stichwort Magengeschwür durch Stress etc.). Ich werde darauf in einer späteren Veröffentlichung näher eingehen.

Es gibt aber auch weitere Faktoren für die Schwächung der Magensäureproduktion wie die Zusammensetzung der Nährstoffe und das Nahrungsvolumen.

Eiweißhaltige und stark gewürzte Speisen provozieren die Säureproduktion im Magen. Die Zersetzung der Eiweiße und Desinfektion des Nahrungsbreis sind die Hauptaufgaben der Salzsäure im Magensaft. Erst wenn diese erledigt sind, wird der Mageninhalt zur weiteren Verdauung im Darm „freigegeben“ und weitergeleitet. Scharfe Gewürze haben beispielsweise keinen nennenswerten Desinfektionswert gegen Bakterien und Viren, werden aber traditionell zur Prävention von Magen/Darm-Infektionskrankheiten in tropischen Gebieten empfohlen – sicherlich wegen der Lockung der Magensäure.

Eine rohe, pflanzenbasierte Ernährungsweise hat üblicherweise einen hohen Wassergehalt und wenige konzentrierte Eiweiße. Sie ist bei guter Zubereitung leicht verdaulich und wirkt allgemein entlastend auf den Körper – aber sie „lockt“ auch weniger Magensäure.

Sodbrennen als Symptom von zu geringer Magensäure-Konzentration

Wenn der Körper ohnehin Probleme mit der Magensäureproduktion hat, was sich in Sodbrennen, Blähungen, Allergien, Mangelerscheinungen etc. äußern kann – dann können die starke Verdünnung des Magensaftes durch die wasserreiche Frischkost und die fehlenden Säurereize von Eiweiß und Gewürzen das Problem verschärfen. Die Frischkost passiert zwar hinreichend schnell den Magen, da bspw. keine Fleisch- oder Käsebrocken zersetzt werden müssen, aber fraglich ist, ob die nötige Säurekonzentration zur Nutzung der Eiweiße, Vitamine und Mineralien und zur Desinfektion erreicht wurde. Mangelerscheinungen, Verdauungsprobleme und Parasitenbefall können die Folge sein und Diäterfolge sowie das Wohlbefinden dauerhaft einschränken.

Wie kann Sodbrennen entstehen?

Magensäure wird in der Magenschleimhaut produziert und kann Sodbrennen erzeugenEin sicherer Indikator für Säuremangel ist das Aufstoßen mehrere Stunden nach dem Essen, das nicht den charakteristischen Magensaft-Geruch aufweist, sondern eher an die frische Nahrung erinnert. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Nahrung bereits im Magen gärt statt zersetzt und desinfiziert zu werden. Dieser Säurearme Nahrungsbrei hat weniger oder keine Signalwirkung auf den oberen Verschluss des Magens, der die Speiseröhre vor Verätzungen mit der gefährlich sauren Magensäure schützen soll. Wenn leicht säuerlicher Mageninhalt mangels Verschluss in die Speiseröhre gelangt, entsteht das sogenannte Sodbrennen (oder auf Englisch Heart Burn).

 

So kann die Magensäureproduktion gesteigert werden

Kernempfehlungen aus dem Vitalkost-Programm wie konsequentes warten mit dem Essen, bis der Magen Leer ist, die Einhaltung der richtigen Reihenfolge verschiedener Nahrungsmittelgruppen, die Trink- und Entspannungsregeln sowie das Vorbeugen eines Salzmangels helfen bereits sehr gut. Wir sollten uns verdeutlichen, dass die Magensäure in der Magenschleimhaut produziert wird und diese wiederum den Magen vor der Selbstverdauung schützt. Bei chronischer Dehydrierung, die heute sehr häufig zu beobachten ist, kann die schützende Schleimschicht nicht voll ausgebildet werden. Es wird folglich auch weniger Magensäure produziert – wegen des schlechteren Schutzes der Magenwand kann diese dennoch Schmerzen verursachen. Richtiges Wassertrinken ist also die erste Stufe.

Falls Sie dennoch (weiterhin) Probleme haben, probieren Sie doch folgende Maßnahmen:

  • Nach dem morgendlichen Wassertrinken ein Glas mit verdünnten Zitronensaft oder Apfelessig auf leeren Magen trinken. Wenn Sie an die Säure gewöhnt sind, kann auch das erste Glas bereits gesäuert sein. Auch der Dünndarm ist auf ein leicht saures Milieu angewiesen und übermäßiges Wassertrinken – insbesondere von kaltem Wasser kann die Verdauungskraft tatsächlich auch schwächen.
  • setzen Sie basische Nahrungsergänzungen und Säureblocker ab: Natron, Basenmineralpulver, basisches Wasser, Heilerde, Zeolith und insbesondere die als Therapeutikum angebotenen schnellen Säurebinder neutralisieren ggf. die ohnehin schon schwache Magensäure weiter. Als Variante zu Heilerde und Zeolith können Sie zu Flohsamenschalen, Pektin und Chlorella-Algen greifen (siehe Detox-Routine). Säureblocker, die die Produktion von HCL durch Blockierung der Protonenpumpen unterbinden halte ich besonders problematisch.
  • Smoothies ohne zusätzliches Wasser mixen, sondern das Püree aus Obst und grün löffeln, ggf. mit Anis und anderen anregenden Gewürzen anreichern
  • Nahrungsmittel milchsauer fermentieren: mit Jogurt- und Kefirkulturen aus dem Reformhaus oder beispielsweise oder auch mit Milchsäurebakterien aus Nahrungsergänzungsmitteln zur Verdauungsregulierung siehe Joghurt-Rezepte im Start-Set
  •  Sorgen Sie für Moderation der Nahrungsaufnahme und  Entspannung: nehmen Sie sich Zeit, die Eindrücke des Tages zu verarbeiten. Der Heilpraktiker Yesha Karmeli hat in seinem Interview der Lebensenergie-Konfterenz.de darauf hingewiesen, dass unsere Fähigkeit zur Verarbeitung von geistig-emotionalen Eindrücken und zur Verdauung von Nahrung in engem Zusammenhang stehen. Vielleicht sind ja die sprichwörtlichen Steine im Magen und „vom Herzen“ ja sinnverwandt.
  • Zur Not: Salzsäure zur Mahlzeit einnehmen: unter den Stichworten Betain-Hydrochlorid & Kapseln finden Sie sicherlich Präparate mit künstlicher Magensäure. Achten Sie ggf. darauf, dass die Inhaltsstoffe pflanzlich sind, wenn Sie auf Rinderblut- und Schweinedarm-Auszüge verzichten wollen.

Ich erforsche und teste weitere Kniffe und auch verschiedene Präparate zur Unterstützung und werde Sie über die Ergebnisse auf dem Laufenden halten.

Bis dahin: wohl bekomms!

Stefan Kutterzu wenig Magensäure?